Leichhardt's Grave

 

 – eine elegische Ode neu interpretiert.

 

 

Weit davon entfernt, ein Leichhardt-Kenner zu sein, las ich seit meinem ersten Besuch in Trebatsch, einige Literatur und bin von diesem Genius der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sehr berührt.

 

Ähnlich angetan war und bin ich von Christoph Nichelmann, einem Musiker in der Hofkapelle Friedrich II. von Preußen, der etwa 100 Jahre früher in Potsdam wirkte, aus einem ähnlichen Umfeld wie Leichhardt stammte und zu dem ich eine wissenschaftliche Untersuchung führte.

 

„Was der Mensch lieb hat, das mag er treiben. Immer gespannt und munter strebt der berechnende Geist denn vorwärts;

jedes neue gewährt ihm ein neues Interesse, tausend neue Seiten bieten sich seiner aufmerksamen Betrachtung;

lebendig in sich, zufrieden mit sich, umschließt er seine ganze Umgebung mit Feuer und Wärme, wie das Herz,

welches mit jedem Schlage durch den ganzen Körper den lebendigen Blutstrom fortführt.“

(AUROUSSEAU, M.: The letters of Ludwig Leichhardt, 1968, Bd. 1,S. 24)

 

Lebendig in sich. So schreibt Ludwig Leichhardt an seinen Vater aus Berlin nach Trebatsch am 28. Februar 1836.

 

Gerne möchte ich mit gleichgesinnten Musikern, Kollegen und Musikschülern die Ode Leichhardt’s Grave aus dem Jahre 1845 lebendig werden lassen, sie gewissermaßen neu beatmen.

 

Die Ode von Robert Lynd, einem Freund Ludwig Leichhardt’s, war zur damaligen Zeit sehr populär und wurde umgehend von Isaac Nathan in Musik gefasst, obgleich dieser Nachruf auf den Tod Ludwig Leichhardt’s zu früh kam.

 

 

In einem, bekannten Ausstellungskatalog aus dem Jahre 2013, fand ich die ersten Worte einer Nachdichtung dieser Ode:

 

„Du, der du mit Pilgerheldenmut auf langem, ungewissem Pfade wandelst und finden solltest, bleichend in der Wüstenglut, meines gemordeten Freundes sterblichen Rest: Mit Andacht trage seine Knochen fort, dorthin wo ein Bergbächlein im schnellen Nu fließet und plätschert, und leg an moosbedecktem Uferort ein Kissen hin für ihn zur ew’gen Ruh.“

(BARRETT, Lindsay: Die vielen Leben des Ludwig Leichhardt. In: HARTMANN, Heike: Der Australienforscher Ludwig Leichhardt. Spuren eines Verschollenen. Berlin 2013, S. 30f.)

 

Die Replik auf den eigenen Nachruf zeigt den Menschen Leichhardt in seinem Humor.

 

Denkbar ist es also, diese Musik neu zu arrangieren, mit jungen und auch gestandenen Menschen zu üben und einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.

 

Eine kleine Publikation im Eigenverlag könnte das Unternehmen illustrieren und für das Leichhardt-Museum ertragreich sein.

 

Es wäre schön, wenn die Musik- und Leichhardt-Enthusiasten gemeinsam arbeiten könnten und sich ihrer gegenseitigen ideellen Unterstützung versichern.

 

Kein Aufdrängen. Ein Auffrischen der Musik!

 

Aus Paris schreibt Ludwig Leichhardt am 20. November 1838 an seine Eltern nach Trebatsch:

 

„Did I tell you that I spend some time every day practising on the keyboard? I’ve made satisfactory progress already […].”

(AUROUSSEAU, M.: The letters of Ludwig Leichhardt, 1968, Bd. 1, S. 154)

 

 

Herr Leichhardt war eben ein Tausendsassa auf vielen Gebieten…

 

 

 

Vorgetragen von Dr. Michael Harald Krebs auf der 11. Leichhardt-Konferenz am 11. Oktober 2016 in Trebatsch.